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Bewegungszentrum: Orthopädie, Unfallchirurgie und Wirbelsäulenchirurgie

Wir operieren nur wenn es sein musszoom

Ob angeborene oder „gewachsene“ Fehlstellungen, Verschleiß oder komplizierte Brüche nach einem Unfall: Die Orthopäden, Unfall- und Wirbelsäulenchirurgen können vieles richten und reparieren und nicht mehr funktionierende Körperteile durch künstliche ersetzen. Nicht wenigen Menschen eröffnet das wieder ein schmerzfreies und mobiles Leben.

 
 

Wir behandeln im Brüderkrankenhaus St. Josef Paderborn alle Erkrankungen rund um den Bewegungsapparat und das Skelettsystem – mit und ohne Operation. Von Rückenschmerzen über Bandscheibenprobleme und Arthrose bis zum künstlichen Gelenkersatz. In unserer Notaufnahme, die an das Traumanetzwerk OWL angeschlossen ist, versorgen wir rund um die Uhr Patienten nach Unfällen im Alltag und Arbeitsunfällen. Vom einfachen Gipsverband nach einem Knochenbruch bis hin zu hochkomplexen chirurgischen Operationen. 

Drei  hochspezialisierte Fachkliniken:

Ein Kompetenzzentrum:

Unser Versorgungsauftrag ergibt sich aus dem derzeit gültigen Feststellungsbescheid der Bezirksregierung Detmold vom 15.12.2017. Danach führt das Brüderkrankenhaus St. Josef  Paderborn 175 chirurgische Betten, die sich auf die Kliniken für Orthopädie, Wirbelsäulenchirurgie, Unfallchirurgie, Allgemein- und Viszeralchirurgie und Thoraxchirurgie verteilen.

Notfälle  jederzeit

Tel: 05251 702-1151

Terminvergabe: 

Ambulanz Orthopädie und Wirbelsäulenchirurgie
Tel: 05251 702-1200 - Fax: 05251 702-1209
orthopaedie@bk-paderborn.de

Ambulanz Unfall- Hand und Wiederherstellungschirurgie 
Tel: 05251 702-1119

BG Sprechstunde
Tel: 05251 702-1150


 
 

Hilfe bei Rückenschmerzen

„Ich hab’s im Rücken“ – wer kennt nicht das Klagen über die Schmerzen. Die Ursachen können sehr vielfältig sein. Daher ist eine möglichst genaue Analyse wichtig, um die wirksamste Therapie festlegen zu können.

Mit der deutschen Nationalmannschaft stand er 1983 ganz oben auf dem Siegerpodest. Drei Jahre später erklomm er bei den deutschen Meisterschaften allein die oberste Stufe. Der heute 60-jährige Jens Schulze gehörte in der goldenen Zeit des deutschen Zehnkampfs zu den Top Five der Bundesrepublik. Mit seinen Vereinskollegen vom USC Mainz, Guido Kratschmer und Siggi Wentz, und dem dreimaligen Weltrekordler Jürgen Hingsen führten sie das Feld der Leichtathleten an. Wer dem athletischen Mann heute begegnet, kann kaum glauben, dass das schon 30 Jahre her sein soll. Jung sieht er aus, durchtrainiert und aktiv. Und doch plagt Jens Schulze seit geraumer Zeit ein Volksleiden: Rückenschmerzen.

„Früher war ich einer, der einfach nicht glauben konnte, dass es später mal anders werden würde. Dass ich irgendwann mal nicht mehr topfit bin und körperlich nicht alles leisten kann“, bekennt er freimütig. Die Schmerzen im Rücken treten morgens auf. Jens Schulze kommt schlecht aus dem Bett und in den Tag. Auch wenn es im Laufe des Tages besser wird, die tief sitzenden Schmerzen verschwinden nicht mehr. Keine akzeptable Situation für den Diplom-Sportlehrer.

Nicht immer hilft eine OP

Jens Schulze wendet sich an Dr. Carsten Schneekloth. Der Neurochirurg ist Chefarzt der Wirbelsäulenchirurgie im Brüderkrankenhaus St. Josef Paderborn und im St.-Marien- Hospital Marsberg. Weil er sich den vielfältigen Rückenproblemen nicht rein chirurgisch widmen wollte, hat er mit weiteren Kollegen eine Praxis eröffnet. „Nicht jedes Rückenproblem, sei es auch noch so schmerzhaft, kann man mit einer Operation heilen. Jens Schulze ist ein gutes Beispiel dafür“, betont Schneekloth. „Aufgrund der Symptome haben wir ein MRT und die Röntgendiagnostik veranlasst. Der Befund war zunächst nur wenig auffällig. Ein bisschen mehr Verschleiß als üblich, etwas Wirbelsäulenverkrümmung, zunächst aber normal für einen ehemaligen Leistungssportler. Damit war klar: Chirurgisch können wir nicht helfen.“

Schneekloth nutzt die Vorzüge seiner Praxis und seines Netzwerks: Gemeinsam mit dem Sportwissenschaftler Dr. Horst-Walter Hundte gehen sie den Ursachen für die Rückenschmerzen mit modernster Technik auf den Grund. Völlig berührungs- und strahlungsfrei wird der ganze Körper vermessen und ein exaktes Bild des Bewegungsapparates auf den Monitor geworfen. Vierdimensionale Ganganalyse und Wirbelsäulenvermessung heißt das Verfahren. Dazu muss Schulze mit Messpunkten versehen auf einem Laufband joggen. Drucksensoren im Boden messen dabei die Auftrittsfläche, während zeitgleich eine Kamera die Bewegung von Rücken, Becken und Beinen analysiert. „Aus meiner aktiven Zeit als Leistungssportler kenne ich noch die Anfänge der Laufbandanalyse. Damals war das allerdings nur den Profis vorbehalten“, erinnert sich der ehemalige Profi-Sportler. „Ich war erstaunt, dass mir das als Kassenpatient heute ermöglicht wird.“

Viele Kompetenzen nutzen

Das Diagnoseverfahren ist kein Standard. Die Wirbelsäulenchirurgen setzen es als zusätzliche Leistung für ihre Patienten ein. „Es ist uns wichtig, den Ursachen der Beschwerden auf den Grund zu gehen. Hierbei hilft uns die Technik und wir können anhand der Ergebnisse eine wirksame Therapie einleiten“, erklärt Schneekloth. Dabei setzen er und seine Kollegne auf Zusammenarbeit an den Schnittstellen. Bedarfsgerecht vernetzen sie verschiedene Professionen und Personen. „Wir wollen unterschiedliche Kompetenzen für beste Therapieergebnisse zusammenführen und Patienten gemeinsam betreuen.“

So auch bei einer anderen Patientin. Die junge Frau hatte durch eine Operation eine Nervenverletzung erlitten.
Ein chronischer Schmerz war die Folge. Eine weitere Operation war aufgrund der Vorgeschichte ausgeschlossen und eine gezielte Schmerztherapie zeigte keinen nachhaltigen Erfolg. Daher baten die Mediziner ihre Patientin zur Wirbelsäulenvermessung und konnten Fehlstellungen diagnostizieren, die das Grundproblem verschärften. „Wir haben die Patientin zur osteopathischen Behandlung überwiesen und mittels zweier weiterer Ganganalysen die Behandlung verfolgt“, berichtet Schneekloth. „Das Ergebnis war eindrucksvoll. Die Fehlstellung war nachweislich geringer geworden. Die Patientin empfand deutlich weniger Schmerzen.“

Reicht die Muskulatur?

Bei Jens Schulze muss noch ein weiteres Verfahren zur Diagnosesicherung angewendet werden. Sportwissenschaftler Dr. Hundte führt mit dem Athleten einen sogenannten Backcheck durch. Dabei wird die maximale Muskelkraft in Bauch und Rücken gemessen. Dazu wird Schulze in ein Gerät eingespannt, das gegen seinen Rumpf drückt. Dabei misst es, wie viel Kraft er dem Maschinendruck entgegenhalten kann. Das Verfahren ist notwendig, um zu überprüfen, ob der Rumpf von genügend Stützmuskulatur aufrecht gehalten wird oder ob fehlende Muskulatur zu Haltungsproblemen und Schmerzen führt.

Nach rund 30 Minuten sind alle Tests abgeschlossen. Der Sportwissenschaftler, der Mediziner und der ehemalige Leistungssportler besprechen gemeinsam die Ergebnisse. Schon als Schulze das dreidimensionale Bild seiner Wirbelsäule auf dem Monitor sieht, ahnt er, woher seine Beschwerden kommen. „Das sieht
aber nicht aus, als müsste die so geformt sein.“ Die beiden Rückenexperten bestätigen seine Vermutung. Schulze leidet unter einer leichten Skoliose, bei der die Wirbelsäule von der üblichen S-Form abweicht. „Nichts Schlimmes“, beruhigt Schneekloth. „Aber wir sollten was dagegen tun.“ Hundte und Schneekloth erarbeiten gemeinsam ein Konzept: Zunächst Physiotherapie in Kombination mit einer radiografisch gesteuerten Infiltrationsbehandlung. Dann verbesserter Aufbau der Rumpfmuskulatur über gezieltes Training. Jens Schulze ist einverstanden.

Die Therapie muss passen

„Genau so muss wirkungsvolle Medizin funktionieren“, ist Schneekloth überzeugt. „Gemeinsam – der Patient muss bereit sein, mitzuarbeiten. Und er muss passgenaue Hilfe bekommen. Ganz gleich, ob von einem Arzt, einem Physiotherapeuten, einem Trainer oder einer anderen Berufsgruppe.“

Dass Patient, Arzt und Sportwissenschaftler in diesem Fall so harmonisch zusammenarbeiten, liegt vielleicht auch daran, dass alle drei früher Zehnkämpfer waren. „Aber niemals so erfolgreich wie Jens Schulze“, winkt Schneekloth ab. „Er war mit über 8.300 Punkten richtig gut. Damit ist man eigentlich in jedem Land qualifiziert, aber er hat einfach Pech gehabt.“ „Ja, das war schon ein Ding“, erinnert sich Schulze. „Drei Sportler dürfen
mit zur WM, EM und den Olympischen Spielen. Ich war immer Vierter. Bis auf 1980, da war ich Dritter. Ausgerechnet da wurden die Olympischen Spiele boykottiert.“ Schulze lacht. Er ist Sportler durch und durch und weiß, dass jeder Wettkampf eine Momentaufnahme ist. Er freut sich an seinen Erfolgen und gönnt den anderen ihre. Und jetzt steht ohnehin der gemeinsame Kampf gegen die Rückenschmerzen im Vordergrund.

Hilfe bei Bandscheibenproblemen

Dr. Carsten Schneekloth, Chefarzt der Klinik für Wirbelsäulenchirurgie im Brüderkrankenhaus St. Josef Paderborn und im St.- Marien-Hospital Marsberg, beantwortet die wichtigsten Fragen zum Bandscheibenvorfall.

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Die Bandscheibe ist quasi der Stoßdämpfer der Wirbelsäule. Bei einem Bandscheibenvorfall tritt der weiche Kern aus der Bandscheibe aus und engt den Nerv ein. Je stärker der Nerv gequetscht wird, desto größer sind die Schmerzen.

Muss jeder Bandscheibenvorfall operiert werden?

Nein. Es gibt keinen zwingenden Grund zu operieren, solange keine Lähmungserscheinungen vorherrschen. Prinzipiell ist der erste Schritt bei einem Bandscheibenvorfall immer eine konservative Therapie. Dabei werden
Schmerzmittel verabreicht oder direkt an den Schmerzherd gespritzt und Physiotherapie verordnet. Diese Form der Therapie erfordert aber häufig Zeit und Geduld. Wenn die Patienten zu starke Schmerzen haben oder einen herausfordernden Alltag bewältigen müssen, wünschen sie sich häufig eine Operation, damit sie schnell wieder beschwerdefrei sind.

Ist man nach einer OP geheilt?

Leider nein. Die Operation behebt die Schmerzursache, indem das hervortretende Gewebe weggeschnitten wird, damit der Nerv wieder freiliegt. Das heißt aber nicht, dass der Vorfall nicht an dieser oder einer anderen Stelle erneut auftreten kann.

Gibt es Faktoren, die einen Bandscheibenvorfall begünstigen?

Bandscheibenvorfälle bekommen Frauen wie Männer, Alte und Junge, Dicke und Dünne. Den Handwerker kann es genauso treffen wie den Schreibtischtäter, den Sportler wie den Sportmuffel. Es gibt keine Risikogruppe.

Bedeutet das, man kann sich nicht schützen?

Eine gute Rückenmuskulatur ist hilfreich, da sie die Wirbelsäule stützt und entlastet. Wir raten daher zu Bewegung und bei Bedarf zu schonendem Muskelaufbau.

Sind Rückenschmerzen ein Indikator für einen Bandscheibenvorfall?

Rückenschmerzen können viele Ursachen haben. Bei einem Bandscheibenvorfall handelt es sich um Nervenschmerzen, die wesentlich stärker als muskuläre Schmerzen sind. Bei starken Schmerzen sollte man immer einen Arzt aufsuchen und die Ursache überprüfen. Nur der Arzt kann nach sorgfältiger Diagnose und im Dialog mit dem Patienten die individuell optimale Therapie empfehlen.

Hilfe bei Arthrose

Professor Dr. Lindner erklärt die Möglichkeiten eines künstlichen Hüftgelenkszoom

Arthrose ist eine der häufigsten Gelenkerkrankungen. In Deutschland leiden laut der Deutschen Arthrose-Hilfe
e. V. etwa fünf Millionen Menschen an dieser Erkrankung. Jedes Gelenk kann von solch schmerzhaften Veränderungen betroffen sein; hierzulande trifft es zumeist das Kniegelenk. Dabei wird die Knorpelschicht, die das Gelenk schützt und beweglich hält, zerrieben, bis Knochen auf Knochen reibt. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Sie reichen von angeborenen Fehlstellungen über falsche Belastung bis hin zu Übergewicht.

Zu Beginn der Erkrankung spüren Patienten in der Regel bei Belastung Schmerzen. In anderen Fällen werden bestimmte Bewegungen schwieriger, da der Bewegungsumfang eingeschränkt ist. Schreitet die Erkrankung
weiter fort, treten Schmerzen bereits nach kurzen Zeiträumen oder sogar im Ruhezustand auf.

In einem ersten Schritt wird Arthrose konservativ behandelt, etwa mit Massagen, Wärme- und Kältetherapie oder Krankengymnastik. Auch Hilfsmittel wie Bandagen kommen zum Einsatz. Wenn der Patient trotz dieser Behandlung an starken Schmerzen leidet, hilft oft nur eine Operation, bei der ein künstliches Gelenk eingesetzt wird. Weitere Informationen im Vorfeld der OP kann eine unabhängige Zweitmeinung bringen, die von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird.

Hilfe bei Schmerzen und Verschleiß in Knie und Hüfte

Ob angeborene oder „gewachsene“ Fehlstellungen, Verschleiß oder komplizierte Brüche: Die Orthopädie kann heute vieles richten und reparieren und nicht mehr funktionierende Körperteile durch künstliche ersetzen. Das bringt ihr oft den Ruf ein, zu viel zu tun. Aber nicht wenigen Menschen eröffnet das erst wieder ein schmerzfreies und mobiles Leben.

Christa Mager übt das Gehen mit dem neuen Hüftgelenkzoom

Sie lächelt. Etwas angestrengt noch, aber ja, Christa Mager lächelt. „Es klappt schon wieder ganz gut mit dem Gehen“, sagt die 76-Jährige und setzt behutsam einen Fuß vor den anderen. Zwei blaue Krücken geben ihr noch Sicherheit, aber die, da ist sie überzeugt, wird sie schon bald nicht mehr brauchen. Ein Bein nach vorne, genau zwischen die Krücken, dann das andere nachziehen, so hat es die Physiotherapeutin mit ihr geübt. „Da muss ich mich aber noch konzentrieren.“ Vor einer Woche erst hat Mager im Brüderkrankenhaus St. Josef in Paderborn ein neues Hüftgelenk eingesetzt bekommen. Morgen schon wird sie entlassen. Drei Wochen Reha stehen nun auf dem Programm. „Da heißt es dann: üben, üben, üben!“

Eigentlich hat Christa Mager mit der Hüfte zu kämpfen, seit sie auf der Welt ist. Schon als Baby sei bei ihr eine
Hüftdysplasie diagnostiziert worden. „Aber die ist damals nicht weiter beachtet worden.“ Die Folge: Schon mit 30 bekam sie erstmals Schmerzen. Sie ging zum Arzt, erhielt Spritzen – und machte weiter wie bisher. „Ich habe früh Kinder bekommen, ich hatte meinen Haushalt und meinen Garten zu versorgen, da musste ich schnell wieder auf den Beinen sein“, erzählt sie. Krankengymnastik hätte vielleicht helfen können, „aber Sport war nie meine Domäne“. Mit den Jahren wurden die Schmerzen schlimmer und die Spritzen häufiger. Auch
mit Massagen und Akupunktur hat sie es versucht. Vergeblich. Und doch: Eine Operation war für die Seniorin ausgeschlossen. Vor Jahren schon war sie einmal an der Blase operiert worden. „Aber das hat gar nichts gebracht.“ Warum also sollte sie jetzt mit der Hüfte einneues Experiment wagen?

„Zu ihm hatte ich Vertrauen“

Untersuchung nach der Operationzoom

Ihre drei Kinder waren es, die die Mutter dann doch zur Operation gedrängt haben. Schließlich lebt Mager allein in einem Haus mit Treppen und einem großen Garten. Da sei sanfter Druck im Spiel gewesen, gesteht die Seniorin. Ihre Tochter sei eigens aus dem englischen Cambridge angereist, um mit ihr gemeinsam zum Vorgespräch ins Krankenhaus zu gehen. „Das war ihr wohl sehr wichtig“, schmunzelt die Seniorin. Aber auch die Schmerzen hätten das ihrige zu der Entscheidung beigetragen. „Ich glaube, ich war einfach so weit.“ Erleichtert wurde das Ganze durch einen günstigen Umstand. Ihr Operateur, Professor Norbert Lindner, war ein Bekannter ihres verstorbenen Mannes. Sie hatte ihn schon bei Vorträgen erlebt. „Zu ihm hatte ich Vertrauen.“

„Bei Frau Mager kamen wir um eine Operation nicht herum“, erklärt Lindner, der am Brüderkrankenhaus sowie am St.-Marien-Hospital Marsberg die Klinik für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie leitet. „Normalerweise dreht sich die Hüftkugel frei in der Pfanne“, erläutert der Experte und dreht energisch an einem Hüftmodell, bei dem eine blaue Kugel ganz locker in einer knochenfarbenen Pfanne rotiert. Bei Christa Mager aber war das längst nicht mehr möglich. „Die Arthrose hat den Knorpel zerrieben, Knochen stieß da auf Knochen“, erklärt Lindner und zeigt jetzt ein anderes Modell, bei dem die Hüftkugel rot eingefärbt ist und sich nur noch schwer und knarzend bewegen lässt. Ein schmerzfreies Leben sei unter diesen Bedingungen undenkbar, eine OP unumgänglich. „Dauerhafter Schmerz wirkt lebensverkürzend“, erklärt der Chefarzt, „und an diesem Punkt müssen wir Mediziner handeln. Wir wollen ja Leben und Lebensqualität erhalten.“

Letzter Ausweg Operation

Orthopäden eilt der Ruf voraus, allzu begeisterte Operateure zu sein, das weiß Professor Lindner. Von Geldmacherei ist in den Medien oft die Rede, zumal in Zeiten knapper Krankenhauskassen. Gerechtfertigt sei das nicht. „Wir hier im Brüderkrankenhaus operieren nur, wenn es wirklich sein muss“, betont er und legt ein wenig Nachdruck in die Stimme. Das bedeutet: Operiert wird erst, wenn alle sogenannten konservativen Maßnahmen ausgeschöpft sind. Dazu zählen Schmerzmittel und Entzündungshemmer, Kälte- und Wärmetherapie, Krankengymnastik sowie der Einsatz von Hilfsmitteln wie Bandagen und Rollatoren. Wenn all das keinen Erfolg mehr verspricht, wenn der Patient trotz all dieser Maßnahmen keine halbe Stunde mehr schmerzfrei gehen kann, dann sei die Operation der letzte Ausweg.

Bei Anita Rogasch ist es noch nicht so weit. Die Seniorin unterzieht sich derzeit im Brüderkrankenhaus einer
Spritzentherapie. Auch sie leidet an Hüftarthrose, zudem hat sich der Schleimbeutel entzündet. Eine OP jedoch
lehnt sie kategorisch ab. „Da habe ich schon schlechte Erfahrungen gemacht.“ Und in der Tat: Nach knapp zwei Wochen stationärer Therapie geht es bei Rogasch spürbar aufwärts: „Ich kann
schon wieder viel besser laufen“, sagt sie. Für zu Hause hat sie sich jetzt einen Rollator bestellt. „Das hat mich Überwindung gekostet“, gesteht sie. Aber nach den ersten Gehversuchen im Krankenhaus hat sie nun doch eingewilligt. Und auch das erste große Erfolgserlebnis hat ihr der Rollator beschert. Den Weg von der Station ins Behandlungszimmer von Professor Lindner hat sie diesmal ganz alleine geschafft. Ein wenig müde wirkt die zierliche Frau bei der Ankunft, aber auch die Erleichterung sieht man ihr an. „So könnte ich ja sogar wieder in die Stadt gehen“, sagt Rogasch, und in ihren Augen blitzt es ein wenig.

Schonende Verfahren

Auch Lindner ist von den Fortschritten seiner Patientin angetan. „So lange wir ihr so helfen können, müssen wir nicht operieren“, betont er und ergänzt: „Wir überreden hier niemanden um jeden Preis.“ Rogaschs Ängste bezüglich einer möglichen OP hält er dennoch für unbegründet. „Wir setzen hier nur schonende Verfahren ein und Materialien, die in Langzeitstudien geprüft wurden.“ So könne man sichergehen, dass eine neue Hüfte nicht nach wenigen Jahren ersetzt werden müsse. Auch Schmieröl sei übrigens nicht nötig, die natürliche
Gelenkschmiere versorge auch das künstliche Gelenk.

Dass Patienten Ängste haben, ist für den Chefarzt grundsätzlich ganz natürlich. „Wir Menschen haben immer
Angst, wenn etwas großes Unbekanntes auf uns zukommt.“ Er sieht seine Aufgabe darin, diese Ängste zu nehmen. „Ein beruhigter Patient ist allemal besser als ein verängstigter.“ Und um das zu erreichen, zieht Lindner, wenn nötig, alle Register. So können die OP-Kandidaten auf Wunsch die Originalprothese ansehen und anfassen. Gerne stellt Lindner auch Kontakt zu einem bereits operierten Patienten her. Einmal pro Jahr bietet das Krankenhaus sogar eine Live-OP an. Das Geschehen aus dem Operationssaal wird dann auf eine Leinwand in der Ambulanz übertragen. „Da können die Menschen sehen, wie hell es bei uns im OP ist, wie viele Leute daran beteiligt sind, und wie routiniert das abläuft.“ Schließlich halte sich noch immer das Gerücht, dass ein einzelner Arzt da im Halbdunkel etwas fabrizieren würde. 100 bis 120 Personen kämen jedes Mal zum Zusehen. Nicht aus purer Neugier, sondern weil ihnen oder einem Angehörigen dieser Eingriff bevorsteht.

Eine Live-OP hat sich Christa Mager nicht angesehen. Aber Angst hatte sie natürlich auch. „Wahnsinnige Angst sogar.“ In einem ausführlichen Gespräch habe Professor Lindner sie beruhigen können. Letztlich ist sie froh, dass sie sich dann doch zur Operation durchringen konnte. Schließlich spürt sie schon jetzt eine Erleichterung. Für die Reha hat sie die besten Vorsätze: „Ich werde, wo ich kann, mitmachen“, verspricht die Seniorin. Schließlich hat die 76-Jährige einen großen Traum: Sie will weiter ihren großen Garten pflegen können, auch wenn sie daran noch nicht so recht glaubt. „Da machen Sie sich mal keine Sorgen“, beruhigt Professor Lindner. „Das mit dem Garten werden Sie bestimmt wieder machen können.“ „Danke, Professore“, antwortet Mager – und lacht. Und diesmal kommt das Lachen ganz unangestrengt.

Patienteninformation der Klinik für Orthopädie

 
 
 
 
 
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