Arzneimittel – Freund oder Feind der Patienten ?

 

„Allein in den USA 400.000 vermeidbare arzneimittelbezogene unerwünschte Ereignisse in Krankenhäusern, 800.000 in Pflegeheimen und ca. 530000 im ambulanten Bereich der Medicare Patienten“
(Institute of Medicine, USA 2006)
 
 Medikationsfehler sind für 30 bis 60 Prozent der schwerwiegenden unerwünschten Arzneimittelwirkungen verantwortlich.“
(Niedersächsisches Ärzteblatt 2008)
 
Diese oder andere internationale und nationale Schlagzeilen verunsichern die Patienten und führen häufig auch zur Nicht-Einnahme notwendiger Arzneimittel. Ulrike Teerling, Leiterin der Abteilung für Klinische Pharmazie und Arzneimittelinformation der Krankenhausapotheke des Brüderkrankenhauses St. Josef: „Das richtige Arzneimittel in der richtigen Dosierung zum richtigen Zeitpunkt ist der Freund eines Patienten! Mehrere Medikamente gleichzeitig nehmen zu müssen ist bei älteren Patienten die Regel. Dabei den Überblick über Neben- und Wechselwirkungen zu behalten ist manchmal schwierig, wenn man bedenkt, dass statistisch jeder Mensch ab dem 60.Lebensjahr im Mittel drei rezeptpflichtige und fast ebenso viele apothekenpflichtige Arzneimittel einnimmt.“ Eine Studie aus Australien zeige, dass 30% aller Krankenhauseinweisungen der über 75-Jährigen auf unerwünschte Arzneimittelereignisse zurückzuführen seien.
Im Mittelpunkt jeder qualitätsorientierten Gesundheitsversorgung steht die Sicherheit des Patienten. Unerwünschte Ereignisse, die das ungewollte Ergebnis einer Behandlung sind, gefährden die Patientensicherheit. Deshalb setzt sich das Aktionsbündnis Patientensicherheit für Strategien zur Vermeidung unerwünschter Ereignisse ein. Die Apotheke des Brüderkrankenhauses St. Josef Paderborn (paderlog-Zentrum für Krankenhauslogistik und Klinische Pharmazie) ist Mitglied dieses vom Bundesministerium für Gesundheit unterstützten Aktionsbündnisses und nimmt sich seit vielen Jahren dieser Problematik in besonderem Maße an. Im Oktober 2008 wurde zusätzlich zu den bestehenden Aktivitäten ein Projekt mit der Zielsetzung einer weiteren Erhöhung der sektorenübergreifenden Arzneimitteltherapiesicherheit durch Chefapotheker Burkhard Backhaus und Ulrike Teerling initiiert. Prof. Dr. Norbert Lindner, Chefarzt der Orthopädischen Klinik, hat diese Idee als zusätzliche Serviceleistung für die Patienten gerne aufgenommen:
„Gerade für ältere Menschen und chronisch Kranke, die häufig schon mehrere Tabletten täglich einnehmen, bedeutet ein stationärer Krankenhausaufenthalt neue zusätzliche Medikamente, mögliche neue Wechselwirkungen, die Notwendigkeit Medikamente vor Operationen abzusetzen und viele andere damit in Zusammenhang stehende Probleme, für die Betroffenen“, weiß Lindner.
 

Kompetente Beratung unter vier Augen

 
Die paderlog-Fachapothekerin Eva Bistry führt täglich im Rahmen der stationären Aufnahme während der Abfrage der aktuell genommenen Arzneimittel, umfassende Beratungsgespräche mit Patienten. „Die Resonanz der Patienten ist durchweg positiv. Sie schätzen es, dass sich eine Fachapothekerin in einem geschützten Vier-Augen-Gespräch die Zeit nimmt, einmal alle Präparate, Dosierungen und Einnahmeweisen auf den Prüfstand zu stellen“, schildert die junge Apothekerin, die für die Umsetzung dieses Serviceangebots verantwortlich ist. „Es ist schon mehrmals vorgekommen, dass Patienten mehrere Medikamente von unterschiedlichen Ärzten einnahmen, die in diesen Kombinationen zu gesundheitsschädlichen Wechselwirkungen führen könnten. Auch bei der Dosierung schleichen sich manchmal Fehler ein. Im Rahmen der zentralen Arzneimittelerhebung wird versucht eine möglichst lückenlose Erfassung und Dokumentation sowie Überprüfung zu gewährleisten.“
Die Erfassung und Auswertung der sogenannten Arzneimittelanamnese erfolgt mit einer speziellen, komplexen Software. Zwei Apothekerinnen des paderlog sind derzeit mit dieser Serviceleistung betraut. Ist bei dem Patienten eine Operation geplant, werden die Informationen direkt an die zuständigen Narkoseärzte und Operateure weitergeleitet, so dass der Patient nur einmal seine Medikamente aufzählen muss.
„Internationale Studien belegen, dass die verordnete Medikation falsch beim Patienten ankommen, von der falschen Dosierung bis hin zu Verwechslungen von Wirkstoffen. Diese Situation ist erschreckend und hat uns animiert, ein zuverlässiges System zu entwickeln, welches Pflegenden und Ärzten die Arbeit erleichtert“, schildert der Chefapotheker die Hintergründe. Prof. Wolfgang Petermann, Chefarzt für Innere Medizin über das Angebot der Krankenhausapotheke: „Durch den täglichen Austausch zwischen Ärzten und Apothekern und die fachliche Diskussion über die medizinischen Wirkstoffe konnten wir die Qualität weiter verbessern.“
Aufgrund der positiven Erfahrungen aus der einjährigen Projektphase wurde der Medikamente-Service durch das paderlog nun fest in den vier chirurgischen Kliniken und der orthopädischen Klinik des Brüderkrankenhauses etabliert. Dass das Brüderkrankenhaus für diesen Service eigens eine Apothekerstelle neu eingerichtet hat ist als deutliches Signal für das Anliegen zu werten, die Patientensicherheit noch weiter zu erhöhen. Mehr als zweihundert Patienten werden jeden Monat beraten, ein Büro der Krankenhausapotheke eigens zu diesem Zweck in der Eingangshalle des Brüderkrankenhauses neben der stationären Aufnahme eingerichtet. Interessierte verschiedener Krankenhäuser und Unikliniken haben bereits im paderlog hospitiert, um den Medikamenten-Service auch in ihren Häusern einzuführen.

 

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Eva Bistry
Fachapothekerin für Klinische Pharmazie
Telefon: +49 (0)5251 702-2384
e.bistry@bk-paderborn.de
Ulrike Teerling
Leitung Klinische Pharmazie - Abteilung für Arzneimittelinformation
Telefon: +49 (0)5251 702-2200
u.teerling@bk-paderborn.de