Meilenstein in der Tumordiagnostik

PET-CT

Mit der Anschaffung eines PET-CTs gehört das Brüderkrankenhaus St. Josef Paderborn seit Oktober 2007 deutschlandweit zu den am Besten ausgestatteten Kliniken in der Diagnostik, Therapieplanung und -kontrolle bösartiger Tumoren.

Am 12. April 2007 setzten die Mitglieder des Direktoriums und Dr. med. Dietrich Nöcker, ehemaliger Chefarzt der Klinik für Radiologische Diagnostik und Nuklearmedizin den ersten Spatenstich für den zur Inbetriebnahme des PET-CTs erforderlichen Anbau.

Hausoberer Bruder Rainer Hellinger und Dr. med. Horst Leber, Ärztlicher Direktor und Chef der Klinik für Strahlentherapie unterstreichen die Bedeutung dieser Investition: „Bundesweit gibt es derzeit nur 28 PET-CTs, davon stehen die meisten in Universitätskliniken. Bisher mussten Patienten aus dem Hochstift bis nach Münster fahren, um sich untersuchen zu lassen. Wir freuen uns, diese Spitzentechnologie nun auch hier in Paderborn anbieten zu können.“

Fusionsbilder zum Aufspüren von Tumoren


Anfang Oktober nahm das PET-CT wie geplant seinen Betrieb auf. PET steht für Positronen-Emissions-Tomographie und CT für Computer-Tomographie. Die PET-CT ist eine Kombination aus beiden Geräten, die es durch die Erstellung von Fusionsbildern ermöglicht, äußerst präzise Informationen zur Lokalisierung von Tumoren zu liefern. Die Positronen-Emissions-Tomographie macht Stoffwechselprozesse von Tumorzellen sichtbar. Der veränderte Stoffwechsel von Krebszellen lässt sich sichtbar machen, indem der Patient ein schwach radioaktiv angereichertes Zuckerderivat verabreicht bekommt. Dieses reichert sich vermehrt in den aktiven Krebszellen an und gibt Strahlung ab. So erscheinen die Tumoren auf dem PET-Bild als leuchtende Punkte und können exakt von den gesunden Geweben abgegrenzt werden. Bei CT-Aufnahmen dagegen werden Röntgenstrahlen durch den Körper geschickt. Je dichter das biologische Gewebe ist, desto weniger strahlendurchlässig ist es. Deshalb erscheinen auf dem CT-Bild die unterschiedlichen Gewebestrukturen von Knochen, inneren Organen und Hohlräumen in unterschiedlichen Grautönen, aufgrund der unterschiedlichen Dichte. Im Fusionsbild erscheint also die CT-Aufnahme als eine Art Landkarte des menschlichen Körpers, durch die der leuchtende Punkt des Krebsgewebes exakt lokalisiert werden kann. Auch kleinste Krebsherde lassen sich äußerst zuverlässig nachweisen. In Kombination mit dem ebenfalls ab Oktober in Betrieb genommenen Simulations-CT in der Klinik für Strahlentherapie werden die gewonnen Daten für die exakte Planung der Bestrahlung übernommen. Der Verlauf von Chemo- und Strahlentherapien lässt sich damit exakt beobachten.

Seit die Entscheidung für die Anschaffung der neuen Geräte am Brüderkrankenhaus St. Josef gefallen ist, hatte Technikleiter Markus Jordan gleich fünf Baustellen zu betreuen, damit die Abteilung nach nur sechs Monaten Bauzeit in Betrieb gehen konnte. Das Hauptgebäude des Brüderkrankenhauses wurde nach außen erweitert, auf insgesamt 150 Quadratmetern entstanden der PET-CT Untersuchungsraum, zwei Applikationsräume, sowie mehrere Funktionsräume. Besonderer Clou des Untersuchungszimmers ist das angenehme therapeutische Farb- und Lichtkonzept. Der Raum verfügt zudem über Tageslicht und ist nicht wie bei den meisten Kliniken im Tiefkeller versteckt. Das Gesundheitszentrum und der Wirtschaftsdienst mussten Räumlichkeiten abgeben, die nun an anderer Stelle wieder errichtet werden.

Für das ebenfalls neu angeschaffte Simulations-CT, welches in der Planung der Strahlentherapie als sinnvolle Ergänzung zum PET eingesetzt wird, entstand eine weitere Baustelle im Tiefkeller. Eine besondere technische Herausforderung stellte die Stromversorgung dar. Unter Volllast zieht das Hightech-Gerät ca. 100 kVA als Anlaufstrom, das entspricht etwa dem gleichzeitigen Anschalten von 950 Glühbirnen à 100 Watt. Die Niederspannungshauptverteilung des Krankenhauses musste komplett erneuert werden, um diese Strommengen zu bewältigen.

Als Dr. med. Hermann Keller vor über dreißig Jahren die strahlentherapeutische Abteilung am Brüderkrankenhaus gründete, verbesserte er die onkologische Versorgung der Patienten im Hochstift erheblich. Seitdem hat sich gerade bei der apparativ technischen Ausstattung viel getan. Zu den Meilensteinen in der Entwicklung der Radiologischen Diagnostik und Nuklearmedizin am Brüderkrankenhaus St. Josef gehören die Anschaffungen des ersten Computertomographen (CT) 1981, des Multislice Spiral-CT im Jahre 2004 und des Kernspintomographen (MRT) 2006. Zwei Linearbeschleuniger der neuen Generation stehen für die Bestrahlungen zur Verfügung.

Dr. Jens Czyborra-Brinkmann, leitender Arzt der Nuklearmedizin am Brüderkrankenhaus zur Wahl des PET-CTs: „Die Entscheidung fiel für ein Gerät der Firma Philips. Es besteht aus einem PET-Vollring der neuesten Generation und einem 16-Zeilen Multislice-CT. Dieses High-end PET-CT gemini tf ist bisher nur zwei Mal in Europa installiert worden. Für den Patienten ist die Untersuchung viel angenehmer geworden. Er muss nicht mehr in einer langen, engen Röhre liegen, sondern hat freien Blick zwischen den zwei schmalen Scanner-Ringen. In einer knappen halben Stunde liefert das Gerät mit einer Scanlänge von 190 cm ein Ganzkörperbild.“

Mit der Anschaffung des PET-CTs baut das Brüderkrankenhaus seinen onkologischen Schwerpunkt weiter aus. Jedoch profitieren nicht nur die Onkologen von dem Gerät, auch in der Chirurgie, der Urologie und in der Gastroenterologie ergeben sich Einsatzmöglichkeiten, Operationen können hochpräzise geplant werden. Dazu der Chefarzt der Klinik für Radiologische Diagnostik und Nuklearmedizin Privatdozent Dr. med. Marc Keberle: „Wir können beispielsweise bei einem Patienten mit Lungentumor klären, wie die nächsten Behandlungsschritte aussehen. Die Entscheidung zwischen Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie oder einer Kombination aus allen, wird den Ärzten durch diese bildgebende Diagnostik erleichtert. Das PET-CT-Bild zeigt genau, an welcher Stelle sich der Tumor befindet und in welcher Ausdehnung. Außerdem sehen wir, ob der Tumor gestreut hat. Mit Hilfe der PET-CT vermeiden wir also sowohl Unter- als auch Übertherapie. Auch im Bereich der Kardiologie und der Neurochirurgie ergeben sich Einsatzmöglichkeiten für das PET-CT. Hier ist in Zukunft eine engere Zusammenarbeit mit benachbarten Kliniken denkbar.“