Spatenstich zum Ausbau der Nuklearmedizin

Paderborn - Am 12. April 2007 setzten der Hausobere des Brüderkrankenhauses St. Josef und Dr. Dietrich Nöcker, Chefarzt der Klinik für Radiologische Diagnostik und Nuklearmedizin den ersten Spatenstich für den zur Inbetriebnahme des PET-CTs erforderlichen Anbau.


Spatenstich zum PET-CT


Bruder Rainer unterstreicht die Bedeutung dieser Investition: „Bundesweit gibt es derzeit nur 28 PET-CTs, davon stehen die meisten in Universitätskliniken. Bisher mussten Patienten aus dem Hochstift bis nach Münster fahren, um sich untersuchen zu lassen. Wir freuen uns, diese Spitzentechnologie nun auch in Paderborn anbieten zu können.“

Seit die Entscheidung für die Anschaffung der neuen Geräte am Brüderkrankenhaus St. Josef gefallen ist, hat Technikleiter Markus Jordan gleich fünf Baustellen zu betreuen, damit die Abteilung nach sechs Monaten Bauzeit in Betrieb geht. Das Hauptgebäude des Brüderkrankenhauses wird nach außen erweitert, auf insgesamt 150 Quadratmetern entstehen der PET-CT Untersuchungsraum, zwei Applikationsräume, in denen den Patienten der für die Untersuchung nötige radioaktive Tracer gespritzt wird, sowie mehrere Funktionsräume. Besonderer Clou des Untersuchungszimmers ist das angenehme therapeutische Farb- und Lichtkonzept. Der Raum verfügt zudem über Tageslicht und ist nicht wie bei den meisten Kliniken im Tiefkeller versteckt. Das Gesundheitszentrum und der Wirtschaftsdienst mussten Räumlichkeiten abgeben, die nun an anderer Stelle wieder errichtet werden.

Für das ebenfalls neu angeschaffte Simulations-CT, welches in der Planung der Strahlentherapie als sinnvolle Ergänzung zum PET eingesetzt wird, entsteht eine weitere Baustelle im Tiefkeller. Eine besondere technische Herausforderung stellt die Stromversorgung dar. Unter Volllast zieht das Hightech-Gerät ca. 100 kVA als Anlaufstrom, das entspricht etwa dem gleichzeitigen Anschalten von 950 Glühbirnen à 100 Watt. Die Niederspannungshauptverteilung des Krankenhauses muss komplett erneuert werden, um diese Strommengen zu bewältigen.


Onkologie ständig weiter ausgebaut



Als Dr. Hermann Keller vor über dreißig Jahren die strahlentherapeutische Abteilung am Brüderkrankenhaus gründete, verbesserte er die onkologische Versorgung der Patienten im Hochstift erheblich. Seitdem hat sich gerade bei der apparativ technischen Ausstattung viel getan. Zu den Meilensteinen in der Entwicklung der Radiologischen Diagnostik und Nuklearmedizin am Brüderkrankenhaus St. Josef gehören die Anschaffungen des ersten Computertomographen (CT) 1981, des Multislice Spiral-CT im Jahre 2004 und des Kernspintomographen (MRT) 2006. Zwei Linearbeschleuniger der neuen Generation stehen für die Bestrahlungen zur Verfügung.

Im Oktober 2007 wird das PET-CT seinen Betrieb aufnehmen. PET steht für Positronen-Emissions-Tomographie und CT für Computer-Tomographie. Die PET-CT ist eine Kombination aus beiden Geräten, die es durch die Erstellung von Fusionsbildern ermöglicht, äußerst präzise Informationen zur Lokalisierung von Tumoren zu liefern. Die Positronen-Emissions-Tomographie macht Stoffwechselprozesse von Tumorzellen sichtbar. Der veränderte Stoffwechsel von Krebszellen lässt sich sichtbar machen, indem der Patient ein schwach radioaktiv angereichertes Zuckerderivat verabreicht bekommt. Dieses reichert sich vermehrt in den aktiven Krebszellen an und gibt Strahlung ab. So erscheinen die Tumoren auf dem PET-Bild als leuchtende Punkte und können exakt von den gesunden Geweben abgegrenzt werden. Bei CT-Aufnahmen dagegen werden Röntgenstrahlen durch den Körper geschickt. Je dichter das biologische Gewebe ist, desto weniger strahlendurchlässig ist es. Deshalb erscheinen auf dem CT-Bild die unterschiedlichen Gewebestrukturen von Knochen, inneren Organen und Hohlräumen in unterschiedlichen Grautönen, aufgrund der unterschiedlichen Dichte. Im Fusionsbild erscheint also die CT-Aufnahme als eine Art Landkarte des menschlichen Körpers, durch die der leuchtende Punkt des Krebsgewebes exakt lokalisiert werden kann. Auch kleinste Krebsherde lassen sich äußerst zuverlässig nachweisen. In Kombination mit dem ebenfalls ab Oktober in Betrieb genommenen Simulations-CT werden die gewonnen Daten für die exakte Planung der Bestrahlung übernommen. Der Verlauf von Chemo- und Strahlentherapien lässt sich exakt beobachten.
Dr. Dietrich Nöcker zur Wahl des PET-CTs: „Wir haben uns für ein Gerät der Firma Philips entschieden. Es besteht aus einem PET-Vollring der neusten Generation und einem 16-Zeiler Multislice-CT. Dieses High-end PET-CT ist bisher nur einmal in Europa installiert worden. Für den Patienten ist die Untersuchung viel angenehmer geworden. Er muss nicht mehr in einer langen, engen Röhre liegen, sondern hat freien Blick zwischen den zwei schmalen Scanner-Ringen. In nur 15 Minuten liefert das Gerät mit einer Scanlänge von 190 cm ein Ganzkörperbild, von der Locke bis zur Socke“, so Nöcker.

Mit der Anschaffung des PET-CTs baut das Brüderkrankenhaus seinen onkologischen Schwerpunkt weiter aus. Jedoch profitieren nicht nur die Onkologen von dem Gerät, auch in der Chirurgie, der Urologie und in der Gastroenterologie ergeben sich Einsatzmöglichkeiten, Operationen können hochpräzise geplant werden. Dazu Nöcker: „Wir können beispielsweise bei einem Patienten mit Lungentumor klären, wie die nächsten Behandlungsschritte aussehen. Die Entscheidung zwischen Operation,.Strahlentherapie und Chemotherapie oder einer Kombination aus allen, wird den Ärzten durch diese bildgebende Diagnostik erleichtert. Das PET-CT-Bild zeigt genau, an welcher Stelle sich der Tumor befindet und in welcher Ausdehnung und außerdem sehen wir, ob der Tumor gestreut hat. Mit Hilfe der PET-CT vermeiden wir also sowohl Unter- als auch Übertherapie“.