Herr Linden, warum haben sich die Verantwortlichen der Klinik für Urologie zur Gründung eines Prostatakarzinomzentrums enschieden?
Die Diagnose Krebs bedeutet für die Patienten immer einen tiefen Einschnitt. Wie wird die Krankheit mein Leben verändern? Welche Behandlungsmöglichkeiten sind für mich am besten geeignet? Welchen Ärzten kann ich vertrauen? Mit der Gründung eines Zentrums und der Zertifiierung durch die
Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) bieten wir unseren Patienten feste Ansprechpartner, ständig überprüfte Qualität, hohe medizinische Standards und ein Netzwerk aus Medizinern und Therapeuten, die gemeinsam und in Abstimmung mit dem Patienten die Behandlung festlegen, die für den Erkrankten den größten Erfolg verspricht.
Auch von der Gesundheitspolitik wurde die Schaffung von geprüften Zentren gefordert, nicht zuletzt weil sich im Dschungel der Behandlungsmöglichkeiten auch “schwarze Schafe” zeigten, die sich die Verzweiflung der Betroffenen zunutze machten. Seitdem haben sich zwei konkurrierende Zertifikate entwickelt, die Prostatazentren des Dachverbandes (DVPZ) und die Prostatakarzinomzentren der Deutschen Krebsgesellschaft.
Könnten Sie bitte kurz die Besonderheiten und Unterschiede der beiden Zertifikate erläutern?
Die Prostatazentren des Dachverbandes DVPZ beinhalten nicht nur die Behandlung der bösartigen Erkrankung der Prostata, sondern auch die gutartige Prostatavergrößerung. Zur Zeit sind diesem Verband etwa zehn Krankenhäuser angeschlossen.
Das Zertifikat der Deutschen Krebsgesellschaft bezieht sich nur auf die Behandlung der bösartigen Erkrankung der Prostata und ist deutlich aufwendiger gestaltet. Es sind derzeit 50 Prostatakarzinomzentren zertifiziert. Dieses bedeutet, dass nur jede 6. Abteilung für Urologie diesen Standard erreicht hat. Die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. mit Sitz in Berlin ist die größte Onkologische Wissenschaftliche Fachgesellschaft in Deutschland, in der rund 6.000 Krebsexperten fachübergreifend als Mitglieder zusammenarbeiten. Finanziert wird die Arbeit der DKG durch Spenden, Mitgliedsbeiträge sowie durch die Unterstützung von Firmen, Einzelpersonen und Institutionen des Gesundheitswesens.
Was muss ein Zentrum leisten, um zertifiziert zu werden?
Die Auflagen zur Zertifizierung beinhalten eine Mindestmenge an betreuten Patienten, auch den einzelnen Behandlungsverfahren liegen Mindestmengen zugrunde, um einen hohen Standard gewährleisten zu können. Dazu kommt, dass die Behandlungsverfahren den aktuellen Leitlinien entsprechend umgesetzt werden müssen und alle Mitglieder verpflichtet sind, durch Fortbildungen diesen Standard zu halten und weiterzuentwicklem. Ein wesentlicher Punkt ist zudem die Nachkontrolle der Patienten, in der der Behandlungserfolg gesichert wird und Erkenntnisse für zukünftige Patienten gewonnen werden. Dies bedeutet für die einzelnen Krankenhäuser zwar einen nicht zu unterschätzenden finanziellen Aufwand, für die Patienten jedoch eine hohe Behandlungsqualität. Die Ergebnisse werden regelmäßig durch die Deutsche Krebsgesellschaft überprüft.