Die Behandlungsmöglichkeiten des Prostatakarzinoms sind ungewöhnlich vielfältig. Nicht jedes Prostatakarzinom muss unbedingt behandelt werden. Gerade im höheren Alter finden sich Prostatavergrößerungen, deren Behandlung nicht erforderlich ist. Bei anderen Patienten kann von dem Karzinom jedoch eine Bedrohung ausgehen, die eine Bestrahlung, eine Operation oder eine medikamentöse Behandlung notwendig macht.
Im Prostatakarzinomzentrum erstellen wir anhand umfassender Befunde eine Behandlungsempfehlung. Hierbei werden in einer interdisziplinären Diskussion mit allen beteiligten Fachrichtungen, Nutzen und Risiken jedes Behandlungsschrittes abgewogen, um zur bestmöglichen Therapieentscheidung zu gelangen.
Das Prostatakarzinom und die aktive Überwachung (Active Surveillance)
Aus großen Statistiken haben wir lernen müssen, dass bestimmte Prostatakarzinome nur ein geringes Risiko besitzen, für den Patienten bedrohlich zu werden. In diesen ausgesuchten Fällen kann eine sogenannte aktive Überwachung (Active Surveillance) eine echte Alternative sein. Die neuen Leitlinien zum Prostatakarzinom setzen einen engen Rahmen für die Führung dieser Patienten. Es muß verstanden werden, daß es sich dabei nicht darum handelt, die Augen vor dem Gewächs zu verschließen, sondern im Rahmen engmaschiger Kontrollen die Patienten herauszufiltern, die einer Operation oder Strahlentherapie bedürfen. Da sich das Gewächs im Laufe der Beobachtung verändern kann, muß so in zeitlichen Abständen auch die Gewebsprobe wiederholt werden. Dies stellt für den Patienten eine nicht zu unterschätzende psychische Belastung dar. Wie vorab schon genannt, ist dieses Vorgehen aber nur bei Patienten sinnvoll, bei denen schon in den Vorbefunden alles auf ein niedriges Risiko hinweist.
Die kurative (heilende), operative Therapie des Prostatakarzinoms
Grundsätzlich gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, ein Prostatakarzinom vollständig zu entfernen. Diese Möglichkeiten reichen von einem Dammschnitt bis zur Schlüssellochoperation durch einen Operationsroboter. Jede Operationsform hat ihre eigenen Vorteile und Risiken. Im Brüderkrankenhaus St. Josef Paderborn wird die Prostata minimal-invasiv oder über einen Unterbauchschnitt entfernt (retropubische radikale Prostatektomie RRB). Die früher gefürchteten Komplikationen wie Harninkontinenz oder hohe Blutverluste können weitgehend vermieden werden. Die Operation ist auch nervenerhaltend möglich. Die Gliedsteife kann somit erhalten werden, sofern dadurch die Heilung nicht gefährdet wird. Eine Mitte 2009 von der Uniklinik Mainz veröffentlichte Studie belegt, dass 80% aller Urologen das in unserem Haus angewendete Operationsverfahren für sich selbst wählen würden.
Den genauen Ablauf haben wir hier für Sie zusammengestellt,
Die Bestrahlung eines Prostatakarzinoms
Die heilende Strahlentherapie des Prostatakrebses erfolgt als sogenannte externe Strahlentherapie mit hochenergetischen Röntgenstrahlen, wobei diese Strahlen aus verschiedenen Winkeln auf den Körper des Patienten auftreffen und sich im Gebiet der Prostata kreuzen, so dass hier eine hohe tumorabtötende Dosis erzielt wird. Gleichzeitig werden die umliegenden Organe geschont. Diese Bestrahlung erfolgt jeweils an 5 Wochentagen nacheinander, insgesamt mindestens 36-mal (=etwas mehr als 7 Wochen), in bestimmten Fällen bis zu über 40-mal und dauert etwa pro Sitzung eine Viertelstunde. Der Patient kann in der Regel selbst mit dem Auto zur Bestrahlung kommen oder aber den Transport mit einem Taxi nutzen. Die akuten Nebenwirkungen sind in aller Regel gut zu beherrschen. Durch die sehr gezielt auf die Prostata beschränkte Strahlentherapie sind schwerwiegende chronische Nebenwirkungen der Strahlentherapie heute sehr selten geworden. Die Heilungsergebnisse entsprechen je nach Stadium denen der Operation, wobei für beide Methoden bestimmte Vor- und Nachteile bestehen. Hierüber wird der Patient im Prostatakarzinomzentrum ausführlich aufgeklärt. Nach der Strahlentherapie bestehen in der Regel keine Schwierigkeiten das Wasser zu halten. Die Gliedsteife ist bei etwa der Hälfte der Patienten im Verlauf der nächsten 4 Jahre nach Strahlentherapie langsam zunehmend eingeschränkt. Bei der anderen Hälfte der Patienten bleibt sie jedoch erhalten.