Radio-Onkologie beinhaltet die Therapie bösartiger Tumore mittels Bestrahlung unter Umständen in Kombination mit anderen Methoden wie z.B. Chemotherapie oder Hyperthermie. Die Strahlentherapie ist nach der Chirurgie die wichtigste Methode in der Behandlung von bösartigen Tumoren. Sie wird sowohl zur Verhinderung des Nachwachsens eines Tumors nach Operation (sogenannte adjuvante Bestrahlung) wie auch als alleinige Behandlungsmethode eingesetzt.
In letzter Zeit erfolgen zunehmend Kombinationen aus Strahlen- und Chemotherapie (sogenannte kombinierte Radio-Chemotherapieanwendung), da bei einer Vielzahl von Tumoren bessere Heilungsergebnisse allerdings unter Inkaufnahme von verstärkten akuten Nebenwirkungen erreicht werden.
Linearbeschleuniger
Die Strahlentherapie erfolgt heute in der Regel mit sogenannten Linearbeschleunigern. Das sind Maschinen zur Erzeugung von hoch energetischen Röntgenstrahlen für die Bestrahlung von tief im Körper liegenden Tumoren oder wahlweise von Elektronen zur Bestrahlung von oberflächlichen Tumoren.
Die computertomographische Vor- und Nachplanung erfolgt an einem speziellen CT-Gerät, dem sogenannten Simulations-CT. Mit den an diesem Gerät gewonnenen Daten lässt sich der für jeden Patienten individuell erstellte Bestrahlungsplan am Computer überprüfen (virtuelle Simulation). In besonderen Fällen ist es notwendig, die Informationen aus einem PET-CT oder einer Kernspintomographie für die Planung zu nutzen. Wir setzten hier routinemäßig die Möglichkeiten der Bildfusion an unserem Planungsrechner ein und können auch an unserem PET-CT direkt Planungs-Computertomographien durchführen.
Bestrahlt wird in der Regel in mehreren Sitzungen, wobei jeweils die gleiche Bestrahlungsdosis (Fraktion) bis zu einer festgelegten Gesamtdosis verabreicht wird.
Eine gesamte Bestrahlungsserie umfasst normalerweise zwischen 10 und 40 Fraktionen (d.h. bei täglicher Bestrahlung, ohne Wochenende 2 bis 8 Wochen).
Die Einteilung der gesamten Dosis in kleine Fraktionen dient dem Schutz des gesunden Gewebes, welche sich im Gegensatz zum Tumor zwischen den Einzeldosen erholt. Die einzelne Bestrahlungssitzung dauert je nach Anzahl und Art der Bestrahlungsfelder einschließlich exakter Lagerung des Patienten ca. 10 bis 20 Minuten.
Heutzutage ist es möglich, die tägliche exakte Lagerung mm-genau durch computertomographische Schnittbilder am Bestrahlungsgerät zu überprüfen.
Dies Verfahren nennt sich bildgeführte Strahlentherapie (IGRT für Image guided radio therapy - bildgeführte Strahlentherapie). Dies Verfahren ist seit November 2009 auch in Paderborn verfügbar.
Mit den heutigen Bestrahlungstechniken ist es möglich, die tumorabtötende Bestrahlungsdosis der oft unregelmäßigen Form des Tumors exakt anzupassen bei gleichzeitiger Schonung in der Nähe liegender empfindlicher Organe.
Diese neue Technik nennt sich intensitätsmodulierte Bestrahlung (IMRT = intensity modulated radiotherapie) und erfordert einen sehr viel höheren Zeitaufwand in der Therapieplanung. Die Technik findet vor allem Anwendung in der Bestrahlung von Tumoren im Kopf-Hals-Bereich sowie im Beckenbereich.
Auch sie wird seit Dezember 2009 in Paderborn angeboten.
Stereotaxie
In besonderen Fällen (z.B. sehr kleine Lungentumore oder Lungenmetastasen oder Lebermetastasen) kann mittels einer speziellen Technik in einer einzigen oder in einigen wenigen Sitzungen mittels hochdosierter „punktgenauer“ Strahlentherapie eine Vernichtung der kleinen Tumorherde erreicht werden. Dieses Verfahren nennt sich stereotaktische Bestrahlung. Die stereotaktische Bestrahlung des Gehirns erfordert eine spezielle Ausrüstung des Beschleunigers. Sie wird in Paderborn nicht durchgeführt.
Bei der stereotaktischen Bestrahlung außerhalb des Gehirns wird der Patient in einer speziellen Vorrichtung (siehe Foto) extrem exakt gelagert. Vor jeder Bestrahlung wird zur genauen Lokalisation des Tumorherdes eine spezielle Computertomographie durchgeführt. Mit diesem Verfahren ist die sehr gezielte Strahlentherapie von kleinen Herden elegant und für den Patienten schonend durchführbar.
Afterloading
Eine besondere Bestrahlungsmethode ist das sogenannte Afterloadingverfahren:
Hierbei werden ein dünnes Metallrohr oder ein Katheter in ein Hohlorgan z.B. Gebärmutter, Scheide, Speiseröhre eingelegt und das entsprechende Organ anschließend über eine dünne Strahlenquelle von innen bestrahlt. Dies ermöglicht hohe Bestrahlungsdosen direkt in Tumornähe bei maximalem Schutz der Umgebung.